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Anthina flammea (Jungh.) Fr.

Flammenschweif

09.11.2005 + 04.01.2006 MTB 5918.2.3 Heusenstamm, südlich des Forsthauses Wildhof - Foto: N. Kühnberger

 


 

Beim Pilzesuchen fand meine Frau im Laub auf Buchenblättern rosafarbene, pilzähnliche Gebilde. Ich fotografierte sie. Zu Hause gelang es mir nicht, die eigenartigen Gebilde zu bestimmen. Auch Pilzfreunde waren ratlos. Als auch eine Anfrage bei Frau Prof. Dr. Piepenbring von der Universität Frankfurt am Main keinen Erfolg hatte, schickte ich das Foto an einige Vereinsmitglieder. Hierauf schrieb mir Thomas Lehr, dass ihn diese "Dinger" an eine Abbildung von Anthina flammea in Ryman/Holmasen erinnerten. Im Internet fand ich dann Bilder von Pilzen, die den von mir fotografierten ähnlich sahen. Werner Pohl, der die Bestimmung von Thomas Lehr für sehr wahrscheinlich hielt, mailte mir, dass German J. Krieglsteiner im Jahr 1993 im Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft Pilzkunde Niederrhein (APN) in Heft 1 auf den Seiten 14 - 20 einen ausführlichen Artikel über Anthina flammea und andere Anthina-Sippen geschrieben habe. In dem Artikel erwähnt Krieglsteiner anfangs, dass man Anthina flammea provisorisch der künstlichen Gruppierung der Mycelia sterilia zuordne und schreibt dann: "Seine aufrechten, orange bis blutroten (flammenfarbenen), zähen Myzelien erscheinen im Spätherbst auf feuchtem, modrigem Laub." Nach Ryman/Homasen (1984, 1992) sind sie "finger- bis besenförmig und 5 - 15 mm hoch, doch habe ich schon welche über 30 bis fast 40 mm hoch gefunden (vergl. Watling 1979)."

Krieglsteiner berichtet noch über seine ersten Funde und die vergeblichen Versuche der Bestimmung. Letztlich lieferte auch ihm dann das schwedische Pilzbuch Svampar von Ryman/Holmasen (1984) den richtigen Namen. In drei weiteren Abschnitten stellt er seine Recherchen zur Literatur und zur Gattung Anthina (von griech.: Anthos = Blüte) in Deutschland dar und geht der Frage "Anamorphe von Basidiomyceten?" nach. Abschließend befasst er sich mit den Themen "Zur Häufigkeit der Anthina flammea" und "Zur Substratwahl". Sein Ergebnis: Die seltsamen Gebilde sind bis 1993 in West-Deutschland immer mal wieder gefunden und gelegentlich auch fotografiert worden. A. flammea ist ganz sicher nicht selten und in den mitteleuropäischen Laubwäldern wohl ziemlich weit und lokal auch dicht verbreitet. Hauptwirte dürften Buchen- und Eichenblätter sein, obwohl auch schon Pilze an Pappelblättern und auf Laub und Fruchthüllen von Esskastanien (Jörg Haedeke) gefunden wurden. Weitere Substrate sind nicht ausgeschlossen, zumal G. Lindau 1910 in einem Aufsatz noch abgefallene Blätter (und) faules Holz von Birken und Efeu erwähnt. (Sept. 2007, Norbert Kühnberger)