Agrocybe rivulosa Nauta

Runzeliger Ackerling

RM=0 (im Verbreitungsatlas ist die Art nicht enthalten) - "rivulosa" = rinnig - 10.08.2010 MTB 6017.2.1 Nauheimer Oberwald, an der A5, Anschlussstelle Langen/Mörfelden, auf Holzhäcksel-Lagerplatz - leg. u. Foto D. Gewalt, det. u. Exs. Michael Hornung


 

Wenn es darum geht, Pilze zu bestimmen, ist die Vorgehensweise für die meisten Pilzfreunde eigentlich klar. Zunächst orientiert man sich an makroskopischen Merkmalen und rückt dann die eine oder andere Gattung näher in Betracht. Kann man sich nicht festlegen, wird in den meisten Fällen die mikroskopische Analyse "Licht ins Dunkel" bringen. Wenn dann aber die mikroskopische Untersuchung die makroskopische Bestimmung der Gattung bestätigt und man dennoch in der Bestimmungsliteratur nicht mehr weiter kommt, dann kann es schon mal vorkommen, dass der Pilz selbst vor Verwunderung die Stirn runzelt. So ist dies dann auch bei der hier gezeigten Spezies geschehen und genau das hat sie letztendlich auch verraten.

Es handelt sich um Agrocybe rivulosa, den Runzeligen Ackerling. Dieser Pilz ist ein sogenannter Neomycet. Als Neomyceten bezeichnet man Pilze, die mit direkter oder indirekter menschlicher Unterstützung in ein Gebiet gelangt sind, in dem sie zuvor nicht heimisch waren oder die dort unter anthropogenen Einflüssen entstanden sind. Erstmals gefunden und beschrieben wurde die Art in Holland durch Marijke Nauta im Jahre 2003. Seit dem scheint sich diese neue Spezies explosionsartig auszubreiten. Kurze Zeit später wurden erste Funde aus Großbritannien gemeldet und seit ca. zwei bis drei Jahren tritt sie auch in Deutschland in Erscheinung.

Gefunden wurden die hier abgebildeten wunderschönen Verteter von Dieter Gewalt in der Nähe der A5, Anschlussstelle Langen/Mörfelden, am Straßenrand auf abgelagertem Holzhäcksel. Und genau diese sind auch sein bevorzugtes Substrat. Die Fruchtkörper sind stattliche Exemplare und sie treten zumeist in einer großen Anzahl auf. Der Hut wird bis zu 12 cm groß, ist zunächst halbkugelförmig, dann konisch abgeflacht, weiß bis honiggelb und besonders am Hutrand deutlich gerunzelt (aderig). Der Stiel hat ca. 100 x 15 mm Ausmaße, ist schmutzig weiß bis gelbbraun und besitzt einen hoch sitzenden, aber schnell vergehenden, oberseits deutlich gerieften Ring. Die Lamellen sind zunächst grau-weiß, dann grau-braun und schließlich deutlich braun. Die Sporen sind ebenfalls kaffeebraun, ca. 9 - 12,5 x 6,5 - 8,5 µm groß und haben eine elliptische Form mit glatter Oberfläche. In welchen Zeiträumen er im Jahr auftritt, ist bisher nicht genau bekannt. (September 2010, Michael Hornung)

 

++ 06.08.2010 MTB 6018.1.2 Offenthal, Ortsteil Birkenau, Waldrand, neben einer Pferdekoppel und einem Misthaufen auf Holzhäcksel, ebenfalls in großer Zahl, z. T. büschelig miteinander verwachsen (Dieter Gewalt)