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Tour 8:

Kleinzeug

Inhalt:  Coleroa robertiani - Hypoxylon cohaerens - Lophodermium pinastri - Orbilia delicatula - Rosellinia corticium - Trochila ilicina


 

 

Coleroa robertiani - (ein deutscher Name konnte nicht gefunden werden)

 

Dies ist kein Planet aus einem außergalaktischen Sonnensystem sondern ein von Hermine Lotz-Winter unter der Stereolupe fotografierter Ascomyzet, der zu den Phytoparasiten zählt. Er wächst auf der Oberseite von noch grünen oder gilbenen Blättern des Storchschnabels Geranium robertianum, auf denen er mit bloßem Auge als winzige dunkle Pünktchen zu finden ist. Diese treten herdenweise oder in unregelmäßigen Gruppen über ein Blatt verstreut auf, oft zusammen mit einem rötlichen Rostpilz. Sie erreichen eine Größe von etwa 1,5 mm. Mit der Lupe sind sie als kleine schwarze, glatt glänzende Kügelchen sichtbar. Die Art wurde erstmals 1823 von Elias Fries als Dothidea robertiani beschrieben und ist sehr häufig. Man muss nur seine Wirtspflanze kennen, die gern an Waldwegrändern wächst. Unter Phytoparasiten versteht man Pflanzen besiedelnde Organismen, die diesen Nährstoffe als eigene Lebensgrundlage entziehen.  (Dieter Gewalt)


Hypoxylon cohaerens - Zusammengedrängte Kohlenbeere

 

Wenn man sich die Verbreitungskarte (Kriegsteiner 1993) betrachtet, bietet sich ein erstaunliches Muster. In manchen Regionen (z. B. in großen Teilen Baden-Württembergs, im Osten Niedersachsens) scheint der Pilz flächendeckend vorhanden zu sein, in anderen weiträumig zu fehlen; das Rhein-Main-Gebiet ist völlig ausgespart, was bis auf wenige Ausnahmen für ganz Hessen gilt. Dafür gibt es eine auf der Hand liegende Erklärung. Als Grundlage für die meisten Kartierer von Ascomyceten diente damals Band 1 von Breitenbach & Kränzlin: Pilze der Schweiz und in diesem Werk ist unsere Art nicht enthalten. In manchen Regionen wurde über den Inhalt dieses Bandes hinausgehend sinnvolle Aufklärungsarbeit geleistet, Kartierer wurden angehalten, auf diese Art zu achten, und so ist die gebietsweise Häufung von Fundpunkten nachvollziehbar. Tatsache ist: auch im Rhein-Main-Gebiet ist die Zusammengedrängte Kohlenbeere ein häufiger Pilz und dürfte z. B. in keinem Buchenbestand fehlen. (Dieter Gewalt)


Lophodermium pinastri - Kiefernnadel-Spaltlippe

 

Die Kiefernnadel-Spaltlippe gehört zum gleichen Verwandtschaftskreis wie der gut bekannte Ahorn-Runzelschorf (Rhytisma acerinum), die sogenannten "Teerflecken" auf Ahornblättern des Vorjahrs. Diesen Pilzen gemeinsam ist die Form der Fruchtkörper, die man Hysterothezien nennt. Bei Feuchtigkeit öffnen sich diese durch Quellung mittels eines Längsspalts, durch den die fadenförmigen Ascosporen ausgeschleudert werden können. Lophodermium pinastri ist ein Saphrophyt, der bisweilen als Begleiter bzw. Folgepilz von L. seditiosum, dem Erreger der Kiefernschütte auftritt. Unter Kiefernschütte versteht der Forstwirt das vorzeitige, massenweise Abwerfen von Nadeln. L. seditiosum ist also ein Parasit. Die beiden Arten, die sehr ähnliche Fruchtkörper ausbilden, können makroskopisch so unterschieden werden: Bei Lophodermium pinastri ist die Kiefernnadel mit feinen Demarkationslinien quergestreift, dies fehlt bei L. seditiosum. Lophodermium pinastri ist im Rhein-Main-Gebiet sehr häufig - der Pilz fehlt wohl in keinem Kiefernforst.  (Hermine Lotz-Winter; Foto: Dieter Gewalt)

 


 

Orbilia delicatula - Gelbes Knopfbecherchen

 

Dies ist wohl der häufigste in Mitteleuropa vorkommende Vertreter der zu den Schlauchpilzen (Asomyceten) gehörenden Orbiliaceae, die u. a. durch wachsartige, fast durchscheinend wirkende Apothecien und zumeist unseptierte Sporen gekennzeichnet sind. Das hier gezeigte Gelbe Knopfbecherchen kann bis zu 1 mm Durchmesser erreichen und besiedelt totes, zumeist entrindetes oder schon morsches Laubholz, bei unserem Fund an der Dianaburg bei Darmstadt-Arheilgen (24.05.2008, MTB 6018.3.3) war es ein verkohlter Buchenast. Die Gattungszugehörigkeit ist mit etwas Erfahrung schon im Feld auszumachen, zur sicheren Artbestimmung muss mikroskopiert werden. Bei unserer Art sind die Fruchtkörper keineswegs immer so schön gelb wie man sich die gelbe Farbe vorstellt. Interessante Randbemerkung: einige Arten fangen Nematoden!  (Text und Foto Dieter Gewalt, mikroskopische Bestimmung Hemine Lotz-Winter)

 


Rosellinia corticium - Zitzen-Kohlenbeere

Die Vertreter der Pyrenomyceten-Gattung Rosellinia sehen alle aus wie kleine Negerküsse. Um das zu erkennen, braucht man allerdings schon eine gute Lupe. Mit bloßem Auge sind sie nur als kleine schwarze, dicht gedrängt stehende Kügelchen zu sehen. Man findet sie auf toten Ästen verschiedener Laubbäume, aber weder die Substratwahl noch ihr makroskopisches Erscheinungsbild erlauben eine exakte Artbestimmung. Man muss also mikroskopieren, um eine der nicht weniger als 23 Arten zu identifizieren. Eine gewisse Hilfestellung ist gegeben, wenn die Perithecien auf einem Subikulum aufsitzen, das im Falle von R. corticium bräunlich gefärbt und glatt ist. Haben die Sporen, die Form und Farbe von Kaffeebohnen haben, dann auch noch eine Länge von etwa 25 µm, einen über die ganze Sporenlänge reichenden Keimspalt, mindestens eine Schleimkappe und dazu noch eine Schleimhülle, ist die Bestimmung gesichert. (Hermine Lotz-Winter, Dieter Gewalt)

 


 

Trochila ilicina - Stechpalmen-Deckelbecherchen

Diese bis zu 0,5 mm kleinen Pilzchen wird man nur bei gezielter Suche finden und dazu muss man die Pflanze kennen, auf deren Blätter sie wachsen. Die in Mitteleuropa heimische Stechpalme (Ilex aquifolia) bildet immergrüne bis zu 15 m hohe Bäume, die man zwar auch in freier Wildbahn, zumeist aber als Ziersträucher in Gärten, Anlagen und Friedhöfen antrifft. Hier sollte man auf der Oberseite von abgefallenen, vorjährigen Blättern nach dunklen Pünktchen suchen, die sich unter der Lupe (mindestens 10-fache Vergrößerung!) als kleine Becherchen erweisen. Dabei ist Vorsicht geboten. An den spitzstacheligen harten Blättern kann man sich leicht verletzen. Die Becherchen sind im Blattgewebe eingesenkt und mit einer deckelartigen Epidermis verschlossen, die bei Reife aufreißt, um die Sporen zu entlassen. Der Pilzbefall erfolgt bereits am grünen Blatt.  (Dieter Gewalt)

 


"Kleinzeug" an Brennnesseln siehe Fundkorb: Acrospermum compressum